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Das Märchen von Altenheerse

Es war einmal ein kleines Dorf, das nannte sich Lenzdorf. Außerhalb lag nach Westen hin ein Kamp, daher war dessen Name Westkamp. Hier war alles früher Reifer als anderswo. Eine besondere Spezialität des Ortes war ein Schoener Kaese, der aus Schmand zubereitet wurde. Im Dorf wohnte auch ein alter Jaeger. Dieser besaß neben einem schönen schwarzen Hengst noch einen Schlot Hahne und mehrere gezähmte Störke. Alle diese Tiere musste ein Schäfersmann betreuen. Wenn der schlief, hielt ein Uhe die Wache.

Eines Tages kam ein Bothe und verkündete, dass ein König zu Besuch kommen werde; man möge ihn festlich empfangen. Der König kam, er nannte sich David und hatte einen Künnen Mund. Doch die Lenzdorfer waren keine Papenheimer. Der Schneider warf dem König einen Knochen an den Kopf. Daraufhin sprach ein Ernster Mann: „Es ist mir ein Retzeler, warum das geschah.“ Der Bürgermeister von Lenzdorf, ein Harter Mann, sprach folgendes Urteil: „Man hänge den Schneider an einem Haken auf, begrabe ihn im Dorenkamp und decke eine Scholle Erde darüber. Als nun das Urteil vollstreckt werden sollte, und der Schneider schon da hing, schlug der Tambour mächtig auf die Pauke. Von diesem Getöse erwachte der Attentäter. Plötzlich zog er zur Überraschung aller seinen Hals aus der Schlinge, hüpfte vom Haken, machte Lange Beine, kroch durch eine ZaunLücke und rannte über den Linnenberg davon.

Da schworen die Lenzdorfer einen heiligen Eid:
„Wer dieses Märchen weitererzählt, den soll der Kuckuck holen!“

 

(Theodor Hake, 1867 – 1952)

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