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EVANGELIUM – 6. Sonntag der Osterzeit

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Petrus.

Schwestern und Brüder!
Heiligt in eurem Herzen Christus, den Herrn!
Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt; antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen, damit jene, die euren rechtschaffenen Lebenswandel in Christus in schlechten Ruf bringen, wegen ihrer Verleumdungen beschämt werden.
Denn es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für böse.
Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, ein Gerechter für Ungerechte, damit er euch zu Gott hinführe, nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet, aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde.

1 Petr 3, 15–18


Predigt-Gedanken zum Evangelium am 6. Ostersonntag

Kinder fragen einem manchmal Löcher in den Bauch:
“Warum ist Eis so kalt?” – “Warum ist das Wasser so nass?” – “Und warum muss ich aufräumen, obwohl ich es doch gar nicht will?”
Kinder fragen so viel, dass einem nicht selten die Antworten ausgehen.
Und dann wünscht man sich gar, dass sie zwischendrin mal die Luft anhalten würden, einmal aufhören würden zu fragen.

Ein Wunsch, der hoffentlich nie in Erfüllung geht. Es gibt nämlich nichts Fataleres als mit Fragen aufzuhören. Nicht umsonst heißt es in dem bekannten Sesamstraßen-Song: “Wieso? Weshalb? Warum? Wer nicht fragt bleibt dumm!”
Versuchen Sie einmal jemandem, der keine Fragen hat, etwas zu erklären.
Sie kennen vermutlich die Situation, vor jemandem zu stehen und feststellen zu müssen, den interessiert es überhaupt nicht, was ich da erkläre oder erzähle. Einem Menschen, der keine Frage hat, dem kann ich nichts geben, bestenfalls aufdrängen.

Ja, vielleicht wirken viele unserer Gespräche und Antworten, die wir vom und über den Glauben heute geben genau deshalb so unpassend und geradezu aufgedrängt, weil wir davon ausgehen, dass ein Mensch in einer bestimmten Situation oder einem bestimmten Alter bestimmte Fragen einfach zu haben hat.
Und deswegen präsentieren wir ihm auch all die Antworten, die unserer Meinung nach gerade dran sein müssten und wundern uns regelmäßig, warum all unsere Anstrengungen so wenig fruchten.

Dabei ist das Desaster doch eigentlich schon vorprogrammiert:
Jemandem, der keine Fragen hat, dem kann ich auch keine Antworten geben! Es wird höchste Zeit, dass wir uns diese uralte Weisheit wieder neu bewusst machen. Denn, nur dort können wir Glauben weitergeben, wo Menschen auch danach fragen.

Für diese Fragen der Menschen aber müssen wir deshalb auch wieder ganz neu sensibel werden.
Nicht dort, wo Menschen – unserer Meinung nach – bestimmte Fragen haben müssten, sondern dort, wo sie tatsächlich wirklich welche haben, da müssen wir Antworten geben. Nur allzu oft geben wir als Kirche hervorragende Antworten auf Fragen, die niemand gestellt hat. Wir müssen feinfühlig werden für das, was den Menschen wirklich auf den Nägeln brennt, so wie es der 1. Petrusbrief gleichsam als Richtschnur unübertroffen formuliert:
“Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.”

In diesem einzigen Satz steckt alles drin:
Wenn jemand fragt, dann habe ich ihm Rede und Antwort zu stehen.
Doch bevor Sie sich jetzt zurücklehnen und sagen, „dann sollen die Pastöre und die Hauptamtlichen das halt so machen, wenn das so richtig sein soll”,
gleich der Hinweis:
Dieser erste Petrusbrief spricht nicht von Pastören und Hauptamtlichen, die das von Berufs wegen tun; nein – er meint alle, er meint jeden Getauften.
Wir alle haben Rechenschaft zu geben, wir alle sind in die Pflicht genommen und haben Rede und Antwort zu stehen, wenn wir nach unserem Glauben, unserer Hoffnung, gefragt werden. – Z.B. Warum – warum gehst du zur Kirche? Oma, wieso betest du den Rosenkranz?

Hier Rechenschaft ablegen bedeutet weit mehr, als nur zu sagen: “Es ist halt so!” Es bedeutet, sich mit seinem eigenen Glauben und Tun auseinander zu setzen, selber Fragen zu haben und diese Fragen – auch kritische – zuzulassen, und so einen Stand im Glauben zu gewinnen, aus dem heraus ich gelassen und mit Freude anderen Antwort geben kann. Das ist eine Herausforderung und Verantwortung zugleich, vor der wir alle stehen.
Sie gilt es neu anzunehmen und zu unserem Glauben, zu unserer Hoffnung stehen und sie versuchen zu leben.
Dann werden wir bei den Menschen denen wir begegnen und die unser eigenes Ringen darum sehen – ganz gleich welchen Alters – wieder ganz neue Fragen nach dem warum, wieso, weshalb wecken.

Einen herzlichen Gruß zum Sonntag und eine gute Woche!

Pater Josef

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